Die Geschichte der Sophienschule Hof

 
 
 

100 Jahre Sophienschule Hof 1899 – 1999 
Ein geschichtlicher Rückblick von Karl Benker

1. Vom Bau der Schule bis zum Ersten Weltkrieg


   Im Jahre 1894 waren die Schülerzahlen im 4. Schulbezirk so stark angestiegen, dass die Räume im 1876 fertig gestellten 3. Schulhaus am Wilhelmsplatz, der späteren Pestalozzischule, zu klein waren. Lehrer Schwab beantragte deshalb in einem Schreiben an die königliche Bezirksschulinspektion vom 18.10.1894 die Errichtung einer weiteren 5. Knabenklasse und begründete die Eingabe damit, dass in dem bisher zur Verfügung stehenden Raum für 81 Schüler “das Schreiben in Hefte beinahe, das Zeichnen ganz unmöglich” sei. 
   Der Magistrat und das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten der Stadt Hof stimmten in ihren Sitzungen am 19. und März 1895 “der Errichtung einer 5. Knabenklasse im 4. Schulbezirk und der damit verbundenen Turnabteilung” zu. Die königliche Regierung in Bayreuth, Kammer des Inneren, genehmigte das Vorhaben am 19. April 1895.
   Aber bereits am 9. April 1896 richtete Pfarrverweser Scheiding eine Eingabe an den Magistrat, in der er auf dringende bauliche Mängel hinweist und notwendige hygienische Verbesserungen im Klassenzimmer fordert. In Beantwortung dieser Eingabe Scheidings schlug der städtische Baurat Thomas zum ersten Mal die Errichtung eines neuen Schulhauses im schottschen Garten für rund 200.000 Mark vor. Bürgermeister Mann stellte den Antrag bis zur Klärung der Grundstücksfrage zurück. Inzwischen war die Schulraumnot immer prekärer geworden.
   Die Bevölkerung Hofs hatte zwischen 1890 und 1900, hervorgerufen durch die starke Belebung der Textilindustrie (1899: 200.000 Spindeln; 1894: 25.000 Zwirnspindeln; 1899: doppelt so viele Webstühle wie 1884), um 8.326 Einwohner zugenommen. Eine Übersicht, die der seit Anfang 1897 amtierende Stadtschulrat Wißmath im Auftrage des Magistrats erstellte und am 16. März 1897 dem Gremium als Entscheidungshilfe vorlegte, verdeutlicht die schulische Situation: 

Hof hatte zu diesem Zeitpunkt 3.782 Schüler in 55 Klassen, was einer Durchschnittszahl von knapp 69 Kindern pro Klasse entsprach. Sechs Klassen umfassten eine Schülerzahl von 80 – 99 Knaben und Mädchen. Zum Vergleich: In Bamberg saßen rund 59 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, in Bayreuth betrug der Klassendurchschnitt ca. 61 Kinder. 

   Da durch die neuen Fabriken in Hof eine erhebliche Zunahme der Schülerzahl zu erwarten war (allein 1896 180 Schulkinder mehr), entschied der Stadtmagistrat am 16. März 1897, ein neues Schulhaus zu bauen. 130.000 Mark sollten zur Finanzierung aus der Schuldentilgungskasse entnommen werden. Schulrat Wißmath wurde beauftragt, nach den Wohnungen der Schulkinder eine provisorische Einteilung der Schulbezirke vorzunehmen. Auf der Grundlage dieser Neugliederung sollte dann der Bauplatz für das neue Schulhaus festgelegt werden. 
   Schulrat Wißmath berichtete kurze Zeit später dem Stadtmagistrat über “Frequenzverhältnisse der deutschen Schulen, Überfüllung der Klassen, die Notwendigkeit eines Schulhausbaus und eine neue Schulbezirkseinteilung”. Für das zu bauende “Schulhaus am Sophienberger Kirchhof” sah Wißmaths Plan 949 Schüler in 20 Klassen vor. 

   Der neue IV. Schulbezirk umfasste folgende Straßen: Alsenberger Weg, Alter Torweg, Bachstraße, Bahnhofstraße, Bahnhofsplatz, Bayreuther Straße, Bergstraße, Biengäßchen, untere Bismarckstraße, untere Friedrichstraße, Königstraße, Liebigstraße, Lorenzgäßchen, untere Lorenzstraße, untere Marienstraße, Mühlstraße, Mühlwinkel, Münsterstraße, Neuer Bahnhof, Pfarr, Rinnlein, Sedanstraße, Sophienberg, von-der-Tann-Straße, Wilhelmsplatz, untere Wilhelmstraße, Wittelsbacher Platz, Wörthstraße, Wunsiedler Straße. 

   Der Magistrat genehmigte am 4. Mai 1897 den Kauf des vormals schottschen Gartengrundstücks auf dem Sophienberg von dem damaligen Eigentümer Baumeister Wilhelm Laubmann zum Preis von 23.000 Mark. Die Gemeindebevollmächtigten stimmten am 10. Mai 1897 dem Magistratsbeschluss, den Kauf des Schulhausgrundstücks betreffend, zu. Der Vertrag über den Kauf des Grundstücks auf dem Sophienberg (Plannummer 1957 1/9) in der Größe von 0,257 ha zu 23.000 Mark wurde am 11. Mai 1897 zwischen der Stadt, vertreten durch Rechtsrat Eduard Tremel, und Baumeister Wilhelm Laubmann abgeschlossen.
  In der Folgezeit bildete sich eine Kommission für den Schulhausbau, bestehend aus Bürgermeister Mann, Stadtbaurat Thomas, Schulrat Wißmath, den Magistratsräten Hendel, Rahm, Rammensee sowie den Gemeindebevollmächtigten Brecheis, Klotz, Rödel, Wellhöfer und dem Revisor Fischer als Protokollführer, die in ihrer ersten Sitzung am 25. Oktober 1897 feststellte, dass das neue Schulhaus “inmitten eines sich neu bildenden Stadtteiles in ruhiger Lage” liegen werde. Das Gebäude sollte Zentralheizung, Konferenzzimmer, Lehrmittelzimmer, eine ausreichende Zahl Klassenräume, Unterbringungsmöglichkeiten für Garderobe und eine Schulküche enthalten. Um endgültige Beschlüsse fassen zu können, besichtigten die Mitglieder der Baukommission am 4. November 1897 die erst vor kurzem errichtete 6. Bürgerschule an der Reißiger Straße in Plauen. Die dabei gewonnenen neuen Eindrücke und Erkenntnisse flossen in die Bauplanungen ein. Das Gebäude sollte in “Rohbau”, d. h. mit roten und lederfarbenen Verblendsteinen, der Sockel in Granit und die Gesimse in Sandstein ausgeführt werden. Das vor dem Bauplatz stehende Kriegerdenkmal musste versetzt und gegenüber im Sophienberger Friedhof, dem späteren Wittelsbacher Park, neu aufgestellt werden. 

   Ende 1897 begann die Projektierung: Baurat Thomas lieferte den ersten Entwurf, Ingenieur Mollweide, der den Bau leitete, und Bauführer Hopf arbeiteten die Pläne aus. Der Bezirksarzt Dr. Tuppert erhob in seinem Gutachten vom 27. Januar 1898 keine Bedenken und Einwände gegen die Planungen. Auch die Finanzierung war durch die Aufnahme einer Restanleihe von 100.000 Mark, die nach einem detaillierten Verzinsungs- und Tilgungsplan im Jahre 1961(!) zurückgezahlt sein sollte, gesichert. Aber die königliche Regierung von Oberfranken, Kammer des Inneren, erhob in einer Stellungnahme zu den eingereichten Plänen grundsätzliche Einwände. So monierte die Aufsichtsbehörde die mangelnde “architektonische Durchbildung” des Gebäudes. Sie sei zu nüchtern und entspreche nicht den Anforderungen des modernen Städtebaus. Als positives Beispiel wurden Bauzeichnungen eines Spitals und eines Schulhauses in München beigelegt. Da die projektierte Anlage an dem viel begangenen Weg vom Bahnhof zur Stadt zu stehen komme und die Stadt ohnehin arm an architektonisch oder historisch interessanten Objekten sei, sollte der neue gemeindliche Bau in gefälliger Ausführung erstellt werden. Eine Ideenskizze des Kreisbaureferates wurde beigelegt. Da die Beanstandungen der königlichen Regierung eine völlige Änderung des Projektes notwendig machten, war an einen baldigen Beginn des Baus nicht zu denken. 

   Das Stadtbauamt arbeitete nun auf der Grundlage der aufsichtsbehördlichen Anregungen einen neuen Fassadenplan aus, vermied kostspielige und luxuriöse Besonderheiten und änderte den Kostenvoranschlag, der jetzt einen Mehrbetrag von 1.700 Mark vorsah. Im Jahr 1898 konnten aus den genannten Gründen nur die Erdarbeiten ausgeführt und der Rohbau errichtet werden. Der Stadtmagistrat war einverstanden, dass anstelle eines gedeckten Ganges zwischen Schulhaus und Turnhalle aus Sauberkeitsgründen ein Weg aus Klinkerplättchen gelegt werden sollte. Auch Hausflur und Korridore in allen Stockwerken sollten nicht mehr, wie ursprünglich geplant, in Beton, sondern mit gerieften Plättchen ausgeführt werden. Das Baureferat der königlichen Regierung in Bayreuth genehmigte in seinem Antwortschreiben an den Magistrat der Stadt Hof vom 10. Juli 1898 die revidierten Pläne, und der Regierungspräsident, als Chef der Aufsichtsbehörde, gab grünes Licht für die von Schulrat Wißmath beantragte Neueinteilung der Hofer Schulbezirke.

1899 vor der Fertigstellung

   Angesichts dieser zeitlichen Verzögerungen konnte die Stadt den “Baubetriebsplan”, nach dem die Arbeiten am 12. April 1898 begonnen werden und am 15. August 1899 abgeschlossen sein sollten, nicht mehr einhalten. Ende Juli 1898 erfolgte in Anwesenheit der Kommission für das Gemeinde- und Stiftungsbauwesen die Absteckung des Schulgrundstückes und der Gebäude. 

Unter der Leitung von Ingenieur Mollweide beaufsichtigten in der ersten Hälfte der Bauzeit Bauführer Berthold Hopf und in der zweiten Hälfte Bauführer Paul den Fortgang der Arbeiten. Den Baumeistern Johann Martin Brecheis und Peter Funk wurden die Maurerarbeiten übertragen. Die Zimmererarbeiten vergab der Magistrat an H. Christian Peters. Die Dachdeckerarbeiten führte die Firma Heinrich Degel aus. Mit den Flaschnerarbeiten beauftragte man K. Hübschmann, mit den Schlos-serarbeiten die Betriebe Stöckel und Sommer. Die Herren Stöhr, Pößnecker, Karl, Herpich und Bader waren für die Tischlerarbeiten zuständig, Wilhelm Rasp verglaste die Fenster und die Firmen Krisack und Schiefelbein bekamen die Malerarbeiten übertragen. Die Parkettböden lieferten die Passauer und Bamberger Parkettfabriken. Zu einem weiteren Fußboden kamen Platten aus der “Deutschen Xylolith (Holzstein)-Fabrik” in Potschappel-Dresden. Von der Firma Kaufmann in Berneck stammten die Sandsteine. Das Rehauer Granitsteingeschäft Georg Heinritz lieferte die Syenitsteine, die Korridorplatten beschaffte die Firma Lindner in Fichtelberg. Die Turmuhr baute der Hofer Hans Leykauf ein, die Dampfniederdruckheizung die Nürnberger Firma Meyer und Junge. Mit physikalischen Geräten stattete Herr Heß (Hof) die Schule aus. Die übrigen Lehrmittel kaufte die Stadt Hof in Leipzig und München. 

   Geringere Verzögerungen stellten sich durch Meinungsverschiedenheiten zwischen den bauausführenden Firmen, in Sonderheit Herrn Baumeister Funk, und der Bauaufsicht (Herr Hopf) ein. Trotz aller Bemühungen, das Schulgebäude termingerecht zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 fertigzustellen, mussten Bürgermeister Mann und Schulrat Wißmath bei der Regierung in Bayreuth, in dem Schreiben vom 12. September 1899, um einen späteren Beginn des Schuljahres nachsuchen. Die Genehmigung hierfür wurde am 16. September erteilt. Die Einladungen gingen am 15. September 1899 an den Stadtmagistrat (1 Bürgermeister und 16 Magistratsräte), das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten (36 Personen), die Stadtschulkommission (5 Pfarrer, 5 Magistratsräte, 5 Oberlehrer als Schulleiter der 5 deutschen Schulen, 1 Verwalter der Pfandleihanstalt(!)), Baumeister Brecheis und Funk sowie den Medizinalrat Dr. Tuppert.

   Der Leiter der neuen Schule am Sophienberg, Oberlehrer Lieb, bekam von der Stadtschulkommission die Anweisung am Tag der Eröffnung des Schulhauses und des gleichzeitigen Schuljahresanfangs, dem 25. September 1899, dafür Sorge zu tragen, dass sich um 8.00 Uhr alle Schülerinnen und Schüler des IV. Schulbezirkes in ihren Klassenzimmern einfinden. Gleichzeitig sollten alle schulpflichtig werdenden Kinder des genannten Bezirkes unter Vorlage des Impfscheines angemeldet werden.

  In Anwesenheit der Mitglieder der städtischen Kollegien, des Bürgermeisters Hofrat Mann, der Pfarrer Burger und Buchholz, des Schulrats Wißmath, der Lehrerabordnungen aus den übrigen Hofer Schulen, des Schulleiters Lieb und der Lehrer, Schülerinnen und Schüler der neuen Schule wurde am Montag, dem 25. September 1899, um 10 Uhr das Gebäude im Rahmen einer würdigen Feier seiner Bestimmung übergeben. Der Choral “Jehova”, gesungen von sämtlichen Schülerinnen und Schülern der Oberklassen unter der Leitung von Lehrer Krämer und auf dem Harmonium begleitet von Oberlehrer Lieb, eröffnete die Feier in der Turnhalle. Es folgte ein Prolog, gesprochen von der Schülerin Hilpert der 7. Mädchenklasse. Den Höhepunkt bildete die Rede des Bürgermeisters Mann, an deren Ende er die Schule ihrer Bestimmung übergab. Im Anschluss daran sang die Festversammlung die Königshymne. Dann ergriff Schulrat Wißmath das Wort und richtete vor allem an die Lehrer die Rückert-Verse:

“Die Zukunft habt ihr, ihr habt das Vaterland.
Ihr habt der Jugend Herz, Erzieher, in der Hand!
Was ihr dem lockern Grund einpflanzt,
wird Wurzeln schlagen;
was ihr dem Zweig einimpft, wird Früchte tragen.
Bedenkt, dass sie zum Heil der Welt das werden sollen,
was wir geworden nicht und haben werden wollen.”

Nach beiden Reden brachten Knaben, Mädchen und die Lehrerschaft des IV. Schulbezirks den vierstimmigen Choral “Lobet den Herrn” in einem Satz von Gotthelf Gläser zu Gehör. Pfarrer Burger schloss die Feier mit Gebet, Vaterunser und Segen.

  Der Stadtmagistrat verabschiedete in seiner Sitzung am 20. Februar 1900 die Abrechnung mit den am Bau beteiligten Firmen und Handwerksbetrieben. Für Hauptgebäude, Turnhalle, Aborte, Einfriedung, Entwässerung, Höfe und Plätze, Straßenbau, Beseitigung des Kriegerdenkmals, Gas- und Wasserleitung und innere Einrichtung wurde ein Gesamtaufwand von 316.837,58 Mark errechnet. 

   949 Kinder wurden in 18 Schulzimmern unterrichtet. Die Klassenräume waren so bemessen, dass sie “bequem” 70 bis 72 Schülern Platz boten. Dazu kamen noch 6 Nebenräume, ein Lehrerzimmer, ein Lehrmittelzimmer und ein Oberlehrerzimmer. Als Schulleiter amtierte von 1899 bis 9. Mai 1921 Oberlehrer Lieb. Oberlehrer waren damals Lehrer, die “auf einen sicheren und genauen Vollzug der Anordnungen achteten, die im Interesse der Gebäude, der Beschaffung und Erhaltung der Unterrichtsgegenstände und des Schulbetriebes erlassen wurden”. Andere Bezeichnungen lauteten auch Aufsichtslehrer oder Lehrerobmänner. Im Mai 1897 wurden in Hof für jedes Schulgebäude ein solcher Funktionsposten geschaffen. Die Oberlehrer bekamen für ihre Tätigkeit eine Zulage von 50,-- Mark und wurden vom Stadtmagistrat ernannt. Nach Fertigstellung und Bezug des Sophienberger Schulhauses zeigten die Verwaltungen anderer Städte, die sich ebenfalls mit der Erbauung neuer Schulhäuser befassen mussten, Interesse an dem neuen Gebäude. So wünschten Beamte des Baureferats der Stadt Rothenburg/Tauber Einsichtnahme in die Baupläne, der Magistrat von Bayreuth entsandte eine Kommission, die die neue Schulanlage besichtigen sollte, da man sich auch dort mit den Gedanken eines Schulhausneubaus trug, und der Magistrat von Redtwitz (Marktredtwitz) wurde schriftlich über Größe und Anzahl der Räume des V. Hofer Schulhauses informiert.

   Bereits am 8. Mai 1900 beklagt Schutzmann Kirsch das Verhalten der Kinder des V. Schulhauses. Sie überstiegen die Einfriedung des Kriegerdenkmals (gegenüber dem Schulgebäude im Sophienberger Friedhof) und “gingen auf dem Postament desselben umher”. Stadtschulrat Wißmath forderte deshalb die Lehrer auf, einzuschreiten und den Unfug schnellstens zu beenden. 

   Im Zuge des Ausbaus der örtlichen Seite der Wörthstraße durch Baumeister Brabek, dem Eigentümer der dortigen Grundstücke, wurden die Häuser neu durchnummeriert. Das Schulhaus auf dem Sophienberg erhielt aus diesem Grund am 10. Oktober 1906 die Hausnummer 21 (vorher Nr. 15).

2. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zu Hitlers Machtergreifung


   Die relativ ruhige und friedliche Kaiserzeit ging mit dem Ausbruch des Krieges Anfang August 1914 zu Ende. Die Menschen in der Heimat mussten sich auf Leid, Not und Entbehrungen einstellen. Auch das Schulwesen blieb von einschneidenden, für die Jugend negativen Folgen nicht verschont. So erließ die königliche Regierung in Bayreuth am 25. August 1914 ein Schreiben an alle Stadtverwaltungen mit dem Hinweis, dass dort, “wo Schulhäuser auf längere Zeit für militärische Zwecke, insbesondere für Lazarette in Verwendung genommen sind, die abwechselnde Benützung der für Schulzwecke verfügbaren Schulhäuser durch verschiedene Volksschulen in Aussicht zu nehmen ist”. In ganz Hof wurden 1914 35 Lehrkräfte zum Kriegsdienst einberufen. Aus dem IV. Schulbezirk, zu dem nunmehr neben dem Sophienberger Schulhaus noch die Schulen in Moschendorf und Krötenbruck gehörten, standen zu Beginn des Krieges die Lehrer Schuberth, Hoffmann und Köppel im Feld. Die verwaisten Klassen führte jeweils ein Kollege mit und zwar von 8 – 10 Uhr und von 14 – 15 Uhr die eine Klasse und von 10 – 12 Uhr und von 15 – 16 Uhr die andere. Nach 14 Tagen wechselte man die Klassen. Hatten anfangs Heeresführung und Bevölkerung noch auf einen schnellen Erfolg gehofft, so zeigte sich mit zunehmender Kriegsdauer, dass die Auseinandersetzungen lang-wierig und verlustreich wurden. Das stellvertretende Generalkommando des III. Armeekorps forderte aufgrund der Ersatzlage, dass alle kriegsverwendungsfähigen Männer für das Heer verfügbar gemacht werden, auch Lehrer bildeten davon keine Ausnahme.

Nach vorbereiteten Plänen wurde in das Sophienberger Schulhaus im Jahre 1916 ein Lazarett eingerichtet, das zunächst das Rote Kreuz, später das Militär betrieb. Die Schülerinnen und Schüler mussten währenddessen dasSchulhaus in der Fabrikvorstadt (die spätere Pestalozzischule) beziehen. Das brachte natürlich Einschränkungen und Unbequemlichkeiten mit sich; denn jede ausgelagerte Klasse hatte 16 Wochenstunden weniger Unterricht.  


Der Antrag, den Unterricht für die Klassen, die schon längere Zeit keinen Vollunterricht mehr hatten, zwischen Mai und Juli um eine Stunde zu vermehren, wurde am 31. März 1917 abgelehnt. Gegen Ende des Krieges wurde die Versorgung der Schluklassen mit Lehrern immer schwieriger. Man erwartete von den Schulbehörden, dass sich garnisonsverwendungsfähige Lehrer in den Schuldienst zurückmeldeten. Die meisten Gesuche wurden aber 1917 und 1918 vom Militär abgelehnt. Nach Kriegsende ersuchte Oberlehrer Lieb die Stadtschulkommission, alles zu tun, damit die Räume des Sophienberger Schulhauses wieder für den Unterricht benutzt werden können. Der Magistrat sicherte eine Räumung bis 1. Juli 1919 zu, gab aber zu bedenken, dass man aufseiten des Militärs Lazaretträumlichkeiten für die demnächst zurückerwarteten Kriegsgefangenen in Reserve haben müsse. Nach der Auflösung des Lazaretts setzte die Stadtverwaltung das Schulhaus für 53.000,- Mark instand. Der Unterrichtsbetrieb wurde am 12. Januar 1920 wieder aufgenommen, zugleich konnte der seit dem 2. September 1919 als neuer Stadtschulrat amtierende Christian Wolfrum am 22. Januar 1920 an die Regierung von Oberfranken berichten, dass das Schulhaus am Sophienberg künftig Sophienschule heißt.


Bereits zwei Monate später stand die Sophienschule im Mittelpunkt politischer, ja kriegerischer Ereignisse, die durch den Kapp-Putsch am 13. März 1920 ausgelöst worden waren. In Hof erschien ein Flugblatt mit der Forderung zur Errichtung einer Rätediktatur, und Max Blumtritt (USPD) verkündete in einer Versammlung vor der Einstiegshalle des alten Bahnhofes den Beginn des Generalstreiks, die Einsetzung eines Vollzugsrates, die Entwaffnung der Einwohnerwehren und "Operationen" bewaffneter Arbeiter gegen Münchberg. Die Regierung von Kahr in München erließ deshalb für den Raum Hof das Standrecht und schickte unter Führung des Ministerialrats Nortz als Staatskommissar und des Regierungsrats Meyer von der Kreisregierung in Bayreuth zwei Bataillone Reichswehr und die 1. Landfahne Chiemgau der bayerischen Einwohnerwehren in das nordostoberfränkische Krisengebiet.


Beim konzentrischen Vormarsch auf Hof am 22. März 1920 erhielt die Sophienschule vom Wartturmberg aus einen Artillerietreffer mit einem 7,8 cm Geschoss, das auf dem Fensterbrett eines Klassenzimmers in Parterre krepierte und den Unterrichtsraum teilweise zerstörte. Der Kanonenschuss war als Warnung für die sogenannte Volkswehr gedacht, die sich in der Turnhalle versammelt hatte. Die Volkswehr wurde aufgelöst, ihre Gewehre abgeliefert, und am 25. März hatte der letzte Soldat die Stadt Hof verlassen.


Ärger hatte man in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mit der Straßenjugend. In den Abendstunden benützte die Freie Turnerschaft Hof die Turnhalle für Übungszwecke. Die Jungen stiegen immer wieder auf die Fensterbrüstungen, um in die Halle zu sehen und beschädigten dabei das Mauerwerk, drückten Glasscheiben ein oder rissen die Sturmhaken an den Fenstern ab. Als Gegenmaßnahmen patrouillierten die Schutzleute öfter, und der untere Teil der Fenster wurde verdunkelt. Beim Turnen im Freien bestiegen die Jugendlichen die Umfassungsmauer und die Bäume und beschimpften die Turnwarte und den Hausmeister mit "den gemeinsten Worten". Ab dem Schuljahr 1928/29 bekam die Sophienschule zwei Schulleitungen. Die Mädchenabteilung stand unter der Verantwortung von Oberlehrer Heinrich Kant, Chef der Knabenschule wurde Oberlehrer August Horn. Einzelne gemischte Klassen kamen entweder zur Knabenschule oder wurden in der Mädchenabteilung mitgeführt. Im Schuljahr 1931/32 bestand die Schule aus 19 Klassen, die von den Lehrern Alexander hager, Bernhard Köppel, August Horn, Fritz Strößenreuther, Andreas Hübner, Heinrich Raithel, Joseph Vogel, Richard Brodmerkel, Friedrich Hösch, Friedrich Vogtmann, Fritz Hohenner, Heinrich Kant, Georg Lang, Karl Knopf, Andreas Pittroff, Frieda Krämer, Marie Hößl, Anna Kießling und Johann Thüll unterrichtet wurden.



3. Vom Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges


Welch einschneidende Änderungen die Machtergreifung der Nationalsozialisten mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 mit sich brachte, beweisen nicht nur die hinlänglich bekannten neuen Gesetze, allen voran das Gleichschaltungsgesetz vom 31. März 1933, sondern auch die ideologische Schulung und Weiterbildung der Lehrer im NS-Lehrerbund, da auf diesem Wege, durch die Heranbildung “fanatischer Ideen- und Willensträger”, eine Veränderung des Denkens in den breiten Volksmassen am ehesten und schnellsten möglich schien. 

  Neben der selbstverständlichen Angleichung der Lehrpläne an die faschistische Weltanschauung, waren es vor allem “die nationalen Schul- und Gedenkfeierlichkeiten”, die als verpflichtende Veranstaltungen für Lehrer und Schüler das Gemeinschaftsbewusstsein stärken und fördern sollten. Eine herausragende Rolle spielten in diesem Zusammenhang die Rundfunkübertragungen des von den Nationalsozialisten beherrschten Reichssenders München. In den späteren Jahren des “Dritten Reiches” war es vor allem die Hitlerjugend, die eine immer größere Rolle in der schulischen und außerschulischen Erziehung spielte. Eine Auswahl der wichtigsten “Gedenk- und Schulfeiern” soll den Geist dokumentieren, der damals auch an den Volksschulen, wie z.B. der Sophienschule, herrschte. 
  • Am 24. April 1934 gedachten die Schüler “des Erwerbs, der Entwicklung und des Verlustes unserer Kolonien”. Anlass war die Gründung deutscher Kolonien 1884 in Südwestafrika, Togo, Kamerun, Ostafrika, Neuguinea, dem Bismarck-Archipel und auf den Marshall-Inseln. 
  • Der 21. März 1934 wurde als “Großkampftag der Arbeitsschlacht” propagiert. Gefeiert sollte die Arbeitsbeschaffung werden. Der Schulleiter ließ die Schülerinnen und Schüler in der Turnhalle versammeln, wies in einer Ansprache auf den Sinn des Tages hin und schilderte die volkswirtschaftliche Bedeutung “der Arbeitsschlacht”. Im Anschluss daran hörte man gemeinsam die Übertragung des “Arbeitsschlacht-Programms” aus München im Rundfunk an.
  • Die Schulfeier zum 1. Mai gestalteten die Lehrer beziehungsweise der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB). Die Schuljugend stand pünktlich um 9 Uhr auf dem Platz, auf dem am Nachmittag die allgemeine Kundgebung vorgesehen war. Die Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler ab dem 11. Lebensjahr war Pflicht. Gesungen wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. An Orten mit verschiedenen Schulgattungen wählte der Obmann des NSLB einen Redner aus, soweit ihn nicht der politische Leiter der NSDAP bestimmte.
  • Anlässlich des 175. Geburtstages Friedrich von Schillers am 10. November 1934 fand bereits am 9. November 1934 eine Gedenkstunde statt, die der Sender München als Reichssendung ausstrahlte und von allen Schulen angehört werden musste. Dagegen wurde eine vom Bayerischen Volksbildungsverband veranstaltete Hermann-Löns-Feier im Oktober 1934 dem Besuch der oberen Klassen der Volksschulen nur empfohlen. 
  • Die “Woche des Deutschen Buches” vom 4. bis 11. November 1934 hatte den Zweck, in den Oberklassen der Volksschulen im Sinne des Regimes auf die kulturelle Bedeutung wertvollen Schrifttums hinzuweisen. Die Lehrkräfte organisierten in diesem Rahmen örtliche Feiern, Vortragsabende und Buchausstellungen. 
  • Der Rückkehr des Saarlandes wurde am 1. März 1935 um 9 Uhr in einer kurzen würdigen Feier in allen Schulen gedacht. Der übrige Unterricht fiel an jenem Tage aus. 
  • Die Gedenkfeier für die Toten des Weltkrieges hatte alljährlich am Montag nach Reminiszere stattzufinden. 
  • Auch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935 musste in allen Schulen feierlich bekannt gegeben werden. 
  • Am 23 September 1935 war in einer Feierstunde des “Tages des deutschen Volkstums” zu gedenken. 
  • Die am 2. Oktober 1935 stattgefundene Überführung des verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in die Gruft des Tannenberg-Denkmals gab Anlass, während des Unterrichts in geeigneter Weise des Verewigten zu gedenken und die Rundfunkübertragung der Trauerfeier gemeinsam anzuhören. 
  • Die überragende Bedeutung des “Gründungstages des 3. Reiches“ am 30. Januar hatten die Schulleiter 1936 in einer würdigen Feier hervorzuheben. Die Hitler-Jugend umrahmte diese Feier mit Liedern und Sprechchören. 
  • Als am 6. März 1936 der tödlich verunglückte Kultusminister Hans Schemm zu Grabe getragen wurde, war allen Lehrern und Schülern Gelegenheit zu geben, die Übertragung der Trauerfeierlichkeit im Rundfunk zu hören. 
  • Selbstverständlich hatten an Hitlers Geburtstag, dem 20. April, alle Schüler unterrichtsfrei, aber nicht schulfrei. Sie mussten an “würdigen Feiern” teilnehmen und der örtlichen Parade der Wehrmacht beiwohnen. 
  • 1938 war die politische Führung des Reiches am “Tag der Machtübernahme” durch die NSDAP, dem 30. Januar, mit einer “würdigen” Gedenkstunde am letzten Unterrichtstag vor dem 30.1. zufrieden. 
   Nachdem Hitler den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, erlitt die Sophienschule das gleiche Schicksal wie 23 Jahre vorher im ersten großen Krieg, sie wurde Lazarett. Die Kinder, die bisher das Schulhaus an der Wörthstraße besucht hatten, wurden auf die Schillerschule und die Pestalozzischule verteilt. Am 16. Februar 1944, als sich die Niederlage der Hitler-Wehrmacht bereits abzeichnete, reichte das Heeresbauamt Bayreuth Pläne für einen Luftschutz-Deckungsgraben ein, der das Schulhaus über den Knaben-Schulhof mit der Turnhalle verbinden und mit der Schulhofoberfläche bündig abschließen sollte. Zweck dieses Unternehmens war es, Verwundete bei eventuellen Luftangriffen aus der Turnhalle sicher in die zwei Luftschutzräume im Keller der Knabenschule zu bringen. Nachdem das Projekt von allen amtlichen Stellen grünes Licht erhalten hatte, wurde es zügig gebaut und im Herbst 1944 fertiggestellt.

4. Vom Zusammenbruch 1945 bis zum Jubiläumsjahr 1999


Seitdem die Sophienschule Mitte des Krieges in ein Reservelazarett umgewandelt worden war, mussten die Schulkinder in der Schillerschule den Unterricht besuchen. Der Zusammenbruch des 3. Reiches, die Flucht von Millionen von Deutschen aus ihrer ostdeutschen Heimat, die Bombenangriffe der Amerikaner auf Hof im Februar und Anfang April und schließlich die Einnahme der Stadt durch amerikanische Truppen am 15. April 1945 stellten die neue provisorische Stadtverwaltung unter dem Oberbürgermeister Dr. Weinauer, später unter seinen Nachfolgern Hans Bechert und Dr. Schröter, vor schier unlösbare Probleme. 

   Für 7.000 Schüler standen nur 15 Lehrer als Nichtnazis zur Verfügung, 90 durften wegen ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP den Dienst nicht aufnehmen, der Rest befand sich noch in Gefangenschaft oder war im Krieg gefallen. Zur Aufrechterhaltung eines minimalen Schulbetriebes wurden 18 pädagogische Hilfskräfte eingestellt, die man in Kurzlehrgängen auf ihre Aufgaben vorbereitete. Die Schulhäuser dienten 1945 Flüchtlingen und Fremdarbeitern als Unterkunft oder dienten, wie die Sophienschule, als Lazarett. 

   Als Ende 1945 die Pestalozzischule von Flüchtlingen geräumt war und 1946 die Schillerschule für den Unterrichtsbetrieb wieder zur Verfügung stand, hatte auch das unwürdige Zwischenspiel der Unterrichtserteilung in Gasthäusern und Vereinssälen ein Ende. Die Schülerinnen und Schüler des zur Sophienschule gehörigen Sprengels besuchten nunmehr entweder die Pesta-lozzischule oder die Schillerschule. Das Gebäude der Sophienschule stand mit allen seinen Räumen der Berufsschule zur Verfügung, nachdem das Hilfskrankenhaus schon bald nach 1945 aufgelöst worden war. 

   Angesichts steigender Einwohnerzahlen (1945: 55.405; 1950: 61.033) und demzufolge auch zunehmender Schülerzahlen reichte die Kapazität des Schulgebäudes nicht mehr aus, um alle Berufsschulpflichtigen zu unterrichten. Der Stadtrat entschloss sich daher am 12. August 1948 zur Aufstellung einer zerlegbaren ehemaligen Krankenbaracke entlang der hinteren Hofmauer zwischen Turnhalle und Schulhaus. Dadurch hatte man zwei zusätzliche Unterrichtsräume mit jeweils 81,4 qm Grundfläche gewonnen. Dieses Provisorium wurde am 7. September 1948 fertiggestellt und 1950, nach Auszug der Berufsschule, wieder abgebaut. 

   Seit 1950 dient die Sophienschule der Unterrichtung von Volksschülern. 1953 bestand bereits die Möglichkeit für Schulabgänger, die keine Lehrstelle erhalten hatten, eine 9. Klasse einzurichten. Der Besuch war freiwillig und endete mit einem Entlassungszeugnis.

    Die Oberfränkische Volkszeitung vom 4. Februar 1956 brachte unter der Überschrift “Kühlschrank Sophienschule” einen Artikel, in dem angeprangert wurde, dass die Kinder mit Anoraks und Mänteln bekleidet, dem Unterricht in den Klassenzimmern bei 10ºC folgen müssten. Die Heizung funktionierte; der Grund für die mangelhafte Erwärmung der Räume lag im Versäumnis des Hausmeisters, die Vorfenster rechtzeitig anzubringen. Stadtschulrat Beisbart war darüber erbost, machte die beiden Rektoren und die Schulpflegschaft für den Missstand verantwortlich und betonte, er könne nicht persönlich das Anbringen der Vorfenster an allen Hofer Schulen kontrollieren. 

   Im Jahre 1956 ging der Ausbau des Werkraumes im Keller seiner Vollendung entgegen. Damit war die Voraussetzung für die Erteilung eines modernen Werkunterrichts gegeben. Ein Jahr später, 1957, fanden in der Turnhalle 14 Tage lang die Röntgenuntersuchungen der Bevölkerung statt. Größere bauliche Veränderungen wurden ab dem 6. Oktober 1965 am Schulhaus vorgenommen, die das Aussehen des Jugendstilgebäudes erheblich beeinträchtigten. So entfernte man die teilweise verwitterten Dachplastiken, baute neue Fenster ein und riss die nicht mehr den hygienischen Anforderungen entsprechenden Trockenabortanlagen an der Rückseite der Schule ab. Die Stadtverwaltung errichtete dafür an der Nordseite (Eingang zur Mädchenschule) einen modernen Anbau, der im Untergeschoss einen Vorratsraum, das Fotolabor und die Milchausgabe, im Erdgeschoss, 2. und 3. Stock die WC-Anlagen enthält. Der Übergabetermin war der 3. September 1967.
   Am 7. März 1967 erteilte das Stadtbauamt die Genehmigung zum Aufstellen einer doppelten Stahlbeton-Fertiggarage des Schwingbetonwerks “Frawi”, Nürnberg, im Schulhof. Die Bauarbeiten hierfür waren am 23. Mai 1967 abgeschlossen. 

   Das Schuljahr 1969/70 brachte, wie allen Hofer Volksschulen, grundlegende organisatorische Neuerungen. Die Sophienschule wurde Grund- und Teilhauptschule I und gab ihre 7. und 8. Klassen, je nach Wohnung der Eltern, an die Münsterschule, Christian-Wolfrum-Schule oder Hofecker Schule ab. Gleichzeitig legte man die Knaben- und die Mädchenschule unter der Leitung von Rektorin Metzger zu einer Schule zusammen und erreichte kurzzeitig einen Schülerstand von knapp 700 Kindern. Angesichts dieser hohen Schülerzahl wollte man 1972 der drohenden Schulraumnot durch den Teilausbau des Dachraumes begegnen. Die technisch geprüften und genehmigten Pläne sahen in der Nordhälfte ein Klassenzimmer, einen Lehrmittelraum, einen Film- und Lichtbildraum und ein Stück Flur vor. Angesichts sinkender Schülerzahlen lehnte man 1975 die Ausführung des Projektes ab. 

   Im Jahre 1975 konnte Oberbürgermeister Dr. Heun die seit langem von Lehrern, Schülern und Elternschaft geforderte Sportanlage hinter dem Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Künftig brauchten also Lehrer und Schulkinder nicht mehr den langen und gefährlichen Weg zum Sportplatz an der Ossecker Straße zurücklegen, wenn Sport auf dem Stundenplan stand. Mit einem Gesamtaufwand von 195.539,-- DM errichtete die Stadt einen Allwetterplatz mit Handball- und Volleyballfeldern, einem Tennisfeld, einer 75 m-Bahn, einer Hochsprunganlage, einer Weitsprunggrube mit zwei Anlaufbahnen und einer Kugelstoßanlage. 

   Die seit 1978 von Schulleitung, Sicherheitsbeauftragten und Elternbeirat immer wieder gemachten Eingaben, Mängelberichte und Bitten, den baulichen Zustand der Turnhalle betreffend, führten 1984 endlich zum Erfolg. Mit einem Kostenaufwand von 1,2 Millionen DM sanierte die Stadt Hof das marode gewordene Gebäude, stattete es mit einem modernen Schwingboden, einer Schallschluckdecke und bruchsicheren Fenstern aus, erneuerte das Dach und baute übersichtliche Umkleideräume und hygienische Toiletten ein. In Anwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Heun, dem Sportreferenten Peter Haubner, Vertretern des Stadtrates, der Eltern, der Lehrer und der Schüler wurde am 11. Dezember 1984 im Rahmen einer kleinen Feier die sanierte Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben. 

   Als sich am 9. November 1989 die Grenze zur DDR öffnete, begann eine neue Epoche deutscher Geschichte. Zehntausende Landsleute aus dem benachbarten Thüringen und Sachsen strömten in unsere Stadt, um einzukaufen, zu schauen, Kontakte zu knüpfen, Gespräche zu führen und das sog. “Begrüßungsgeld” in Empfang zu nehmen. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren angesichts dieses Ansturms nicht in der Lage, alle Fahrgäste planmäßig zu befördern. Für Menschen, die nicht recht-zeitig in ihren Heimatort zurückkehren konnten, schuf die Stadtverwaltung Notquartiere in Schulen, Gemeindesälen und Turnhallen. In der ersten Dezemberwoche diente auch die Turnhalle der Sophienschule als behelfsmäßige Bleibe für Gäste aus der noch bestehenden DDR.

   In diese Zeit fiel auch die Besiegelung der Partnerschaft mit der Erich-Weinert-Oberschule in Jocketa bei Plauen. Erste Kontakte waren schon kurz nach der Wende von einem Lehrerehepaar aus der DDR geknüpft worden. Die beiden Schulleiter, Rektor Roland Wolfrum und Direktor Heinz Zeuner, bereiteten ein erstes Treffen beider Kollegien vor, das am 10. Februar 1990 in Plauen und Jocketa stattfand. Ein zweites Treffen im März desselben Jahres führte die etwa 60 Lehrerinnen und Lehrer nach Hof und ins Fichtelgebirge auf den Waldstein. Ein gemeinsamer Wandertag der 6. Klassen und die Teilnahme am Schulfest der Sophienschule vertieften die neue Partnerschaft. 

   In den Jahren 1987 bis etwa 1991 war die private Berufsfachschule für Diätetik unter der Leitung von Oberstudiendirektor a.D. Zandering in der Sophienschule als Untermieter zu Gast. Der Einrichtung zur Ausbildung von Diätassistentinnen stand ein kleinerer Raum als Büro, die Küche und ein Klassenzimmer für den Unterricht zur Verfügung. 

   Der bauliche Zustand des Schulhauses verlangte nach einer gründlichen Sanierung. Um die dafür notwendigen Zuschüsse zu erhalten, beschloss der Bauausschuss des Stadtrates im Juni 1996 die Aufnahme des Gebäudes in die Liste des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. 

   Im Juli 1996 bemühten sich auf Initiative von Kollegin Queitsch hin alle Klassen, die Gänge auf den einzelnen Stockwerken mit bunten Blumen, Bäumen und exotischen Landschaften fröhlich zu gestalten. Unterstützt wurde diese Aktion vom Elternbeirat und von Firmen, die Pinsel und Farben spendierten. Doch die Sanierung der Sophienschule genoss weiterhin höchste Priorität. Zeitungsartikel und Fotos wiesen ab 1996 immer wieder auf die Dringlichkeit dieses Problems hin. Vor einer Teilinstandsetzung, etwa des undichten Daches, scheuten die Verantwortlichen zurück, weil sie dann, gemäß staatlicher Förderkriterien, die Generalsanierung gefährdet hätten. Im Rahmen einer Zusammenkunft Anfang März 1998 im Konrektorat der Schule, bei der neben Oberbürgermeister Döhla und Rektor Wolfrum, auch Damen und Herren des Elternbeirats anwesend waren, überreichte der Elternbeiratsvorsitzende Robert Roth dem Stadtoberhaupt 1.003 Unterschriften, die den sofortigen Beginn der Schulhaussanierung forderten. Der Oberbürgermeister machte die für alle erfreuliche Mitteilung: “Heuer wird noch mit der Sanierung begonnen”. Er erläuterte dann die Planung der Arbeiten, demnach sollte die Generalsanierung in drei Bauabschnitten vollzogen werden, bis Ende 2000 abgeschlossen sein und voraussichtlich 7,48 Millionen DM kosten. 74 % der Gesamtsumme seien förderfähig und werden mit 42 % bezuschusst. 
 

Im Herbst begannen die Arbeiten mit der Umgestaltung des Kellergeschosses, wurden mit der Modernisierung und Erneuerung des Anbaus und der Versorgungsleitungen fortgesetzt und wurden 2000 fertiggestellt.



Seit der Modernisierung verfügt die Sophienschule über eine große Aula mit eigener Bühne, über einen Snoezelenraum und einen Computerraum im Dachgeschoss. Im Keller entstand ein Speisesaal für die Ganztagsklassen.

Die Schulleiter der Sophienschule
 
Volksschule:
Oberlehrer Lieb
1899 - 1921
 
Oberlehrer Mertel
1921 - 1927
 
Knabenschule: Mädchenschule:
Oberlehrer August Horn Oberlehrer Heinrich Kant
1928 - 1934 1928 - 1932
   
keine Angabe Oberlehrer Karl Knopf
1934 - 1945 1933 - 1934
   
  Oberlehrer Heinrich Raithel
  1934 - 1945
   
Oberlehrer Joseph Vogel
stellvertretender Schulleiter
1946 - 1948
 
Rektor Karl Frisch Rektor Jospeh Vogel
1949 - 1955 1949 - 1957
   
Rektor Trukenbrod Rektor Christian Kießling
1956 - 1960 1958 - 1961
   
Rektor Hans Jäger Rektorin Berta Dienstbier
1961 - 1965 1962 - 1967
   
Rektor Hellmuth Gilischewsky Rektorin Edeltraud Metzger
1966 - 1969 1968 - 1969
   
Grund- und Teilhauptschule I
Rektorin Edeltraud Metzger
1969 - 1978
 
Rektor Otto Frank
1979 - 1982
 
Rektor Roland Wolfrum
1982 - 2004
 
Rektorin Christa Schultz
2004 - 2006
 
Konrektor Henrik Schödel
2006 - 2007
 Rektor Henrik Schödel
ab 2007 
 
 

Quellen:
Stadtarchiv Hof
Repertorium der reponierten Registratur des Stadtrates Hof,Titel D
I. Band
Fach 48, Nr. 34, 87, 232, 233, 234, 246, 260, 304
Fach 51, Nr. 53, 88
Fach 53, Nr. 6
Fach 54, Nr. 9,10
IV. Band Fach 261, Nr. l, 2, 3 
Baupolizei-Acten des Stadtmagistrats Hof, Straße: Wörthstr. 21 Bandl
Zeitungen:
Oberfränkische Volkszeitung: 04. Februar 1956

Hofer Anzeiger:
28. Mai 1897
21.Juni 1897
26. September 1899
27. September 1899
21. März 1920
23. März 1920
05. November 1975
23. Februar 1990
10. Juni 1996
04. Juli 1996;
19. März 1998
Sonstige handschriftliche Quellen:
Protokollbücher "Lehrerrat der Sophienschule"
Notizbuch der 3. Knabenklasse des IV. Schulbezirks
Schulchronik der Sophienschule